Auf Wolkenbürgschaft
Lieder, Gedichte und Prosa von Hilde Domin
Hilde Domin: Ein literarisch-musikalisches Programm zusammengestellt und vorgetragen von Ursula Illert, mit Musik von Anka Hirsch, gespielt vom "lézarde jazz duo": Julia Ballin, Saxophon und Anka Hirsch, Cello
Hilde Domin, im Februar 2006 im Alter von 96 Jahren verstorben, gilt als die bedeutendste deutschsprachige Lyrikerin unserer Zeit. Ihr "Dennoch", ihr Vertrauen in den Menschen als Individuum, scheint unerschütterbar und ist beispielhaft für eine Generation deutscher Juden, die aus der Verfolgung als Boten der Versöhnung ins Sprachzuhause zurückgekehrt sind, wie sie selber einmal schrieb. Unübersehbar ist die Zahl der Literaturpreise und Verdienstmedaillen, die ihr im Laufe ihres Lebens verliehen wurden.
Erst 1951, nach dem Tod ihrer Mutter, begann Hilde Palm – so ihr eigentlicher Name - eigene Gedichte zu schreiben, die ab 1957 unter dem Pseudonym "Domin" veröffentlicht wurden. Der Name Domin soll an das Exil in Santo Domingo erinnern, wo ihr Dichterleben anfing. 1954 kehrte sie nach 22 Jahren im Exil in die Bundesrepublik zurück. Seit 1960 war Hilde Domin als freie Schriftstellerin tätig. Die herausragende Vertreterin der deutschen Nachkriegslyrik hat sich jedoch nicht nur mit zahlreichen Gedichtbänden und ihrem viel beachteten Roman "Das zweite Paradies" (1968), sondern auch als Übersetzerin und Essayistin einen Namen gemacht.
In einem Interview antwortete die Schriftstellerin vor 20 Jahren einmal auf die Frage, wie viel Mut ein Schriftsteller benötigt:
Ein Schriftsteller braucht drei Arten von Mut. Den er selber zu sein. Den Mut, nichts umzulügen, die Dinge beim Namen zu nennen. Und drittens den, an die Anrufbarkeit der anderen zu glauben.
Ursula Illert, Julia Ballin und Anka Hirsch haben mit diesem Hilde-Domin-Programm ein feinfühliges und anrührendes Programm beim Heinrich-Heine-Club vorgetragen. Sie setzten der "grande dame" der deutschen Nachkriegsliteratur ein würdiges Denkmal.
Weitere Programme der Interpretinnen: www.textpunktton.de
Rose & Nachtigall
Zwischen damals & heute - Lesung mit Werken von Heinrich Heine und Safiye Can
Sowohl in der Lyrik Heines als auch in der Safiye Cans ist die Verbindung von Rose und Nachtigall ein zentrales Motiv. Heinrich Heine, der sich selbst als entlaufener Romantiker bezeichnete, parodierte dieses Liebessymbol häufig. Während das Motiv von Nachtigall und Rose bei Heine also ein Relikt aus der Romantik ist, stellt es für Safiye Can als Gegenwartslyrikerin ein Sehnsuchtsmotiv ganz anderer Art dar. Beim Heine-Club stellte sie ihren ersten Gedichtband „Rose & Nachtigall“ vor. Mittlerweile ist die dritte Auflage erschienen.
Die junge Autorin ist Tscherkessin. Geboren ist sie jedoch in Offenbach am Main. Aufgewachsen ist sie mit drei verschiedenen Kulturen. In ihrer Lyrik verbindet sie diese verschiedenen Traditionslinien. Nachtigall und Rose sind in ihren Werken mehr als nur das Motiv der Liebenden. Sie verkörpern auch einen Sehnsuchtsort, von dem das lyrische Ich so weit entfernt ist. (Autorenseite)
Die Lyrik Heines - vorgetragen von der Schauspielerin Ulrike Happel vom Theaterensemble Bleichstraße 14 H sowie von Marcus Plath und Günther Diehl vom Heine-Club - verband sich mit der modernen Lyrik Safiye Cans.
Die Pianistin Mika Degaïta und der Klarinettist Heinz Hepp bereicherten die Lesung. Sie präsentierten Musikstücke rund um das Thema Liebe sowie klassische Heine-Vertonungen aus Robert Schumanns Zyklus „Dichterliebe“.Rose und Nachtigall:
Eine gemeinsame Veranstaltung von (28.05.2015): GEW Stadt Offenbach und Heinrich-Heine-Club.

