Weidbuchen in der Thüringischen Rhön
Weidbuchen in der Thüringer Rhön kommen an verschieden Standorten vor (s. u.). Weidbuchen sind Rot-Buchen (Fagus sylvatica) mit einer besonderen Wuchsform. Junge Bäume, die früher auf einer Weide oder in einem Hutewald wuchsen, wurden von Weidetieren verbissen. Vor allem von Kühen, Schafen und Ziegen. Die Milchtiere haben Blätter und Zweige (junge Triebe) abgefressen. Dadurch wuchsen die Bäume buschig bzw. mehrstämmig. Diese Büsche können bei einer Höhe von einem Meter bereits fünfzig Jahre alt sein. Werden sie so hoch, dass die Tiere die Mitte nicht mehr erreichen, können die Stämme wachsen. Es sind Weidbuchen bekannt, die aus mehr als 20 Einzelstämmen bestehen, die zusammen gewachsen sind. Die Äste der Kronen bestehen in der Regel aus diesen Einzelstämmen. Der Stammumfang einer solchen Rot-Buche wächst schneller als ein Einzelstamm. Weid- oder Hutebuchen haben dahere i.d.R. einen größeren Umfang als einstämmige Buchen. Die mittleren Stämme können sehr schnell verfaulen, so dass der Stamm von innen hohl ist. Kommen dann noch äußere Schäden hinzu, entsteht eine von außen begehbare Höhle. Hirten haben sich bei Unwettern darin schützen können. Sie sollen sogar Feuer darin entzündet haben. Eine Grafik (leider nicht mehr vorhanden) zum Wachstum ist per Link hinterlegt.
Eigentlich gehören Weidbuchen nicht mehr in die heutige Zeit. Falten und Unregelmäßigkeiten gelten nicht als schön. Es gilt jung und knackig zu sein - notfalls hilft Botox. Umso besser ist es, dass die meisten Hutebuchen als Naturdenkmal ausgewiesen sind. Die Bäume brauchen unseren Schutz und unsere Pflege, damit sie noch lange von vergangenen Zeiten erzählen können.
Das bekannteste Vorkommen an Weidbuchen gibt es im Schwarzwald. Aber auch in der gesamten Rhön gibt es an vielen Standorten größere Gruppen von Weidbuchen oder auch Einzelbäume. Sie sind Zeugnis einer Wirtschaftform, die vor ca. 250 Jahren beendet wurde.
In der Thüringischen Rhön sind mir bisher folgende Standorte bekannt (die genauen Geodaten sind mittels der Fotoalben nachvollziebar):
- Kaltenwestheim Wanderweg Hochrhöner Standort 1
- Kaltenwestheim Wanderweg Hochrhöner Standort 2
- Kaltenwestheim Wanderweg Hochrhöner Standort 3
- Kaltenwestheim am Hemschenberg
- Hümpfershausen i.d.Nähe der Hümpfershäuser Hütte (westlich von, zwei Gruppen)
Die stärkste die Weidbuchen hat einen Umfang von sechs Metern in einer Höhe von 1,3 Metern gemessen. Es folgen weitere mit 5,55 und 5 Metern.
Alter: 121 Jahre (2009)
Taille: 7,57 m (2007)
Umfang: 7,85 m (2007)
Diese mächtige Schwarzpappel begann im Jahr 1888 als winziger Keimling. Zweijährig wurde sie als eine von vielen im Jahr 1890 ausgepflanzt, entlang des Rheinufers sollte eine Allee entstehen. Durch »Eisgang« (treibende Eisschollen) auf dem Rhein wurde die Pflanzung 1893 zerstört. Nur diese eine Pappel, so die Informationstafel am Baum, hat überlebt. Mit durchschnittlich 6,6 cm Umfangszuwachs ist sie bis heute zu einem großartigen Exemplar herangewachsen. Der Stamm trägt 7 starke Äste.
Quellen: Bei der Beschreibung bedeutender Bäume in Hessen folge in den beiden Büchern:1. BERND ULLRICH, STEFAN KÜHN, UWE KÜHN: Unsere 500 ältesten Bäume. BLV Buchverlag GmbH & Co. KG 80797 München2. Hans-Joachim Fröhlich: Wege zu alten Bäumen - Band 1 Hessen

