Fotoausstellung
Manfred Rößmann fotografierte Skulpturen des PROJEKT 14 von Friedhelm Welge im Würzburger Dom - 14 Fälle von Folterung
- Vernissage: Sa. 3.Juni 2017, 17.00 Uhr
- Ausstellungsgespräch: Di. 13. Juni 2017, 19.00 Uhr (zusammen mit der KunstGesellschaft, Moderation: Ulrich Meckler)
- Öffnungszeiten: 6. bis 29.Juni 2017, Mo. bis Fr.: 12-18 Uhr, Sa.: 11-13 Uhr (nicht an Feiertagen)
- Ort: Stadtkirche Offenbach a.M., Herrnstr. 44 (S-Bahn Marktplatz)
Im Kreuzgang des Kilian-Domes in Würzburg wurden vom 15. April bis 09. Oktober 2016 vierzehn Steinskulpturen des Bildhauers Friedhelm Welge ausgestellt. Vom ersten Moment an hat mich diese Ausstellung fasziniert. Ich habe mich damit auseinandergesetzt und musste eine fotografische Dokumentation der Werke versuchen.
Jede Skulptur wurd vom Künstler mit einem Text versehen. Diese wurden auf Textbahnen in den Kreuzgangfenstern aufgehängt. In meiner fotografischen Annäherung habe ich zwei Wege verfolgt:
- Der erste Weg ist die Präsentation der Kunstwerke in ihrer Umgebung, dem Kreuzgang des Domes. Ort und Skulpturen entfalten eine besondere Wirkung.
- Der zweite Weg besteht in der möglichst präzisen Abbildung der Objekte - ohne störendes Beiwerk. Dafür werden sie aus ihrer Umgebung freigestellt.
Für den folgenden Text liegen die Rechte bei © Text und Skulpturen: Friedhelm Welge:
PROJEKT 14 - 14 UNIVERSALIEN DES FOLTERNS. Das PROJEKT 14 ist meine Einmischung als Künstler in die leider allgegenwärtige Diskussion um die Menschenrechtsverletzung durch Folter, die bildhauerische Darstellung solch menschlichen Leidens, ein großes und ehrgeiziges Kunstprojekt, an dem ich über 10 Jahre arbeitete. Wie Fernando Botero mit seinem Bilderzyklus zu Guantanamo, versuche ich mit bildhauerischen Mitteln die Darstellung solch menschlicher Zustände. 14 große Skulpturen aus Stein, die letzte 2011 vollendet aus guatemaltekischem grünen Marmor.
Ikonographisch ist dieses Ausstellungsvorhaben eine Anknüpfung an frühchristliche Märtyrerdarstellungen: legendäre 14 Märtyrer – auch 14 Nothelfer genannt, die auf grausamste Weise zu Tode gebracht wurden. Auf diese Verknüpfung stieß ich im Jahr 2001, als ich mich an dieses große Vorhaben machte. Damals ging das Foto eines von US-Soldaten gedemütigten irakischen Gefangenen um die Welt: nackt, die Hände hinter dem Kopf gebunden. Das erinnerte mich an ein Bild meiner Kindheit, das einen der Nothelfer darstellte: Pantaleon, einer der legendären 14 Heiligen, dem man die Hände auf den Kopf genagelt haben soll.
14 FÄLLE VON FOLTERUNG MIT TODESFOLGE.14 KONKRETE GESCHICHTEN, die ich durch den Bezug auf Legendäres verallgemeinere. Als Teil der Arbeit mache ich mich auf Reisen an Orte, die einen Bezug zu meinem PROJEKT 14 haben oder als Ausstellungsort in Frage kommen. Mich in die Tradition vieler Künstler stellend, die auf Reisen gin-gen, erhoffe ich mir Begegnungen und Inspirationen für meine weitere Arbeit. Ich will mich öffnen für bisher nicht Gedachtes. Ich suche die Öffentlichkeit, und versuche, Vertreter von Kultur, Politik, Gesellschaft und Kirche als Unterstützer für mein Vorhaben zu gewinnen.
Es war nicht mein Wunsch, dass mein PROJEKT 14 eine solch blutige Aktualität bekommt durch das menschenverachtende Vorgehen machttrunkener Diktatoren und selbsternannter Gotteskrieger. Jahrzehntelang haben wir von den Folterern profitiert. Wir haben einfach weggeschaut. In meiner Kunst versuche ich mit den Mitteln des Bildhauers Menschen zum Hinschauen zu bringen.
Ich bin Herrn Dr. Jürgen Lenssen und Herrn Dr. Wolfgang Schneider vom Museum am Dom, Würzburg dankbar, dass sie den Mut haben, das langgehegte PROJEKT 14 angesichts der aktuellen Realität von Bürgerkriegen und Terrorismus zu zeigen. Ich bin zuversichtlich, dass andere Institutionen das Ausstellungsprojekt übernehmen werden.
© Text und Skulpturen: Friedhelm Welge
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